Carlina Anderes steht mit ihrem Namen für ein Prinzip: ander(e)s denken. In unserem Gespräch wurde schnell klar, dass es dabei nicht um eine Methode geht – sondern um eine Haltung.
Carlina begleitet Unternehmen dabei, Strukturen und Prozesse zu hinterfragen, anzupassen und weiterzuentwickeln. Besonders dann, wenn Veränderung ansteht: Wachstum, neue Mitarbeitende, Digitalisierung oder strategische Neuausrichtung.
Doch ihr Ansatz beginnt nicht mit einem Werkzeugkasten. Er beginnt mit einer Frage.
In vielen Organisationen wird Kreativität mit Brainstorming gleichgesetzt. Post-its, Methoden, Tools – fertig.
Carlina sieht das anders. Für sie ist Kreativität kein Standardverfahren. Kein „One fits all“. Jedes Unternehmen bringt eigene Muster mit. Eigene Dynamiken. Eigene Menschen.
„Es gibt nicht die eine richtige Antwort. Es gibt auch nicht die eine richtige Kreativitätsmethode.“
Deshalb entstehen ihre Fragen nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus der Begegnung. Im Kennenlernen. Im Zuhören. Im Beobachten. Manchmal auch im gemeinsamen Spaziergang am Fluss – weil Perspektivwechsel oft buchstäblich Bewegung brauchen. Wer immer im selben Raum denkt, denkt oft dieselben Gedanken.
Viele Selbstständige kennen das: Du sitzt an deinem Schreibtisch, denkst über dein Business nach – und kommst doch immer wieder an denselben Punkt zurück.
Nicht, weil dir die Ideen fehlen. Sondern weil dein Blickwinkel gleich bleibt.
Ein gezielter Impuls von außen kann wie ein kleiner Stich wirken. Eine Frage, die hängen bleibt. Die arbeitet. Die dich nicht mehr loslässt.
Genau darin liegt die Kraft externer Begleitung: nicht in der Lösung, sondern in der richtigen Frage.
Diese Frage taucht immer wieder auf. Und sie ist meist mit einem Missverständnis verknüpft: Kreativität wird mit Kunst gleichgesetzt. Mit Talent. Mit sichtbaren Ergebnissen. Doch Kreativität beginnt viel früher.
Carlina erzählt, dass auch sie lange dachte, nicht kreativ zu sein. Heute weiß sie: Kreativität zeigt sich im Tagträumen. Im bewussten Nachdenken. Im Schreiben. Im intuitiven Ausmalen von Mandalas.
Es geht nicht um das perfekte Ergebnis. Es geht um den Prozess.
Ein besonders spannender Gedanke: Kreativität verträgt sich schlecht mit permanentem Leistungsdruck. Viele Menschen glauben, sie müssten ständig funktionieren. Produktiv sein. Output liefern. Doch Kreativität entsteht oft genau dann, wenn wir nicht leisten.
Wenn wir spazieren gehen.
Wenn wir schreiben.
Wenn wir mit der Hand Notizen machen.
Auf das handschriftliche Schreiben kamen wir einige Male zurück. Nicht weil wir so altmodisch und nostalgisch sind, sondern weil es eine andere Verbindung zwischen dem Hirn und den Worten schafft. Zwischen Hand, Kopf und Gefühl. Wer mit der Hand schreibt, verarbeitet anders. Tiefer.
„Kreativität vereinbart sich nicht mit Leistung.“
Ein Satz, der bei mir noch lange nachgewirkt hat.
Kreativität bedeutet auch: ausprobieren. Nicht wissen. Scheitern.
Diese Haltung ist im Business entscheidend.
Als Kinder stehen wir selbstverständlich wieder auf, wenn wir hinfallen. Im Erwachsenenleben verlernen wir das oft. Kreativität holt uns genau dorthin zurück.
Ein weiterer zentraler Punkt: Kreativität braucht nicht Chaos – sie braucht passende Strukturen. Nicht jede Person arbeitet gleich. Manche funktionieren digital hervorragend. Andere brauchen Papier. Wieder andere brauchen morgens bewusst digitale Abstinenz, um ihre eigenen Gedanken zu hören, bevor fremde Impulse einströmen. Entscheidend ist nicht die Methode. Entscheidend ist, dass die Struktur zum Menschen passt.
Kreativität entsteht oft genau in der Verbindung von Alt und Neu. Analog und digital. Struktur und Freiheit.
Wenn du dich fragst, ob du kreativ bist, dann liegt die Antwort nicht in deinem Talent. Sondern in deiner Bereitschaft, anders zu denken.
Hol dir Impulse.
Experimentiere.
Schaffe dir Räume ohne Leistungsdruck.
Schreib mit der Hand.
Geh spazieren.
Lass Fragen wirken.
Und erlaube dir, nicht sofort die perfekte Antwort zu haben.
Denn Kreativität ist kein Ziel. Sie ist ein Weg.
Hör dir hier unser ganzes Gespräch an!
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