Erzähl deine Geschichte!

Vor ein paar Tagen war ich mit ein paar Leuten bei einer Freundin, nennen wir sie Sybille, eingeladen. Ganz intro, war ich natürlich wieder die erste.

Und traf auf eine ganz aufgewühlte Sybille. Denn es hatte sich gerade ein kleines Drama abgespielt: Ein Kind hatte sich eine Platzwunde auf der Stirn auf dem Parkplatz vor dem Haus zugezogen, als sie über eine Bordsteinkante stolperte. Unglücklicher Zufall. Das Kind ganz verschreckt und fürchterlich blutend. Eilig wurde der Notarzt gerufen – sicher ist sicher bei einer Kopfverletzung. Der Schreck saß Sybille noch in den Knochen, als ich ankam. Schnell sprudelte diese Geschichte aus ihr hervor. Ich musste mehrfach nachfragen, bis ich verstand, was passiert war… hatte jemand das Kind geschubst? Waren die Eltern dabei? Ach nein, nur die große Schwester? Und wer hat dann den Notarzt gerufen? Und was haben jetzt Fischstächen damit zu tun? Die Aufregung war groß. Die Story wirr. Der rote Faden fehlte.

Bis die anderen Mädels eintrafen, hatte Sybille ein bisschen Luft holen können. Deutlich ruhiger konnte sie nun den nach und nach Eintreffenden erzählen, wie vor eine knappen Stunde ein Mädchen bei ihr klingelte war, um nach einem Kühlakku zu fragen. Damit bewaffnet waren Sybille und dieses fremde Mädchen zu dem gestürzten Kind auf den Parkplatz geeilt – aber andere Passanten waren auch schon hilfsbereit eingesprungen: Eine junge Mutter hatte nicht lange gezögert und dem weinenden Mädel geschwind eine gerade gekaufte Packung Fischstäbchen zur Kühlung auf die Stirn gedrückt.

Mit jedem Erzählen wurde mir klarer, was passiert war.

Warum?

Mit jedem Erzählen wurde Sybille klarer, was sie erzählen wollte. Wie die Geschichte auch die Spannung transportierte, die sie erlebt hat. Wie sie den roten Faden durch die Handlung webt.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Erzähl deine Geschichte. Immer wieder. Der erste Versuch ist vielleicht noch holprig und bisschen wirr. Aber mit jedem Mal wird es flüssiger, runder, interessanter. Versprochen!