Kreativ zur "Friendsprache"

Tanja Bernsau im Gespräch mit Dr. Daniela Werthwein | Kreative Perspektiven #08

Wenn Sprache sich endlich nach dir anfühlt – von der Fremdsprache zur „Friendsprache“

Was passiert, wenn sich eine Fremdsprache plötzlich nicht mehr fremd anfühlt? Wenn du aufhörst, nach den richtigen Worten zu suchen – und stattdessen einfach sprichst? Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit von Daniela Werthwein an. Sie begleitet Menschen dabei, ihre Sprache nicht nur zu lernen, sondern wirklich zu verkörpern.

Viele kennen das: Du hast Vokabeln gelernt, Grammatikregeln verstanden, vielleicht sogar Kurse besucht oder im Ausland gelebt – und trotzdem fühlt sich die Sprache nie ganz wie deine eigene an. In entscheidenden Momenten stockst du, wirst unsicher, vielleicht sogar nervös. Der Kopf weiß eigentlich genug, aber irgendetwas blockiert dich.

Daniela schaut genau dorthin. Für sie beginnt Sprache nicht bei der Struktur, sondern beim Menschen selbst. Kopf, Herz und Bauch gehören zusammen. Klarheit und Wissen sind wichtig, aber sie reichen nicht aus. Erst wenn du dich auch emotional und intuitiv mit deiner Sprache verbindest, entsteht ein Gefühl von Sicherheit. Und genau dieses Gefühl ist der Schlüssel.

Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn du dir anschaust, wie du deine Muttersprache gelernt hast. Du bist nicht mit Grammatik gestartet. Du hast gehört, nachgeahmt, ausprobiert. Du warst in einem sicheren Umfeld, hast Fehler gemacht und wurdest trotzdem verstanden. Sprache war lebendig, eingebettet in Beziehung und Alltag.

Beim Lernen von Fremdsprachen läuft es meist genau andersherum. Du beginnst mit Regeln, sitzt in eher unpersönlichen Settings und versuchst, alles korrekt umzusetzen. Der Raum, in dem du dich ausprobieren kannst, fehlt oft. Kein Wunder also, dass sich die Sprache fremd anfühlt.

Daniela hat dafür einen neuen Begriff geprägt: „Friendsprache“. Eine Sprache, in der du ankommen darfst. In der du dich zu Hause fühlst. Der Weg dorthin führt über dich selbst. Über deine Wahrnehmung, dein Selbstvertrauen und deine innere Sicherheit.

Denn das eigentliche Problem ist selten fehlendes Wissen. Es ist die Unsicherheit im Moment des Sprechens. Die Frage „Was denken die anderen?“ ist oft lauter als alles, was du sagen willst. Genau hier entsteht Stress – und Stress blockiert. Du kannst noch so viele Vokabeln kennen, wenn dein System im Alarmmodus ist, wirst du sie nicht abrufen.

Deshalb arbeitet Daniela nicht einfach mit Sprachübungen. Sie verbindet Reflexion, Identitätsarbeit und kreative Methoden. Es geht darum, sichtbar zu machen, was bisher nur im Kopf existiert. Manchmal passiert das über Schreiben, manchmal über Zeichnen oder sogar über haptische Methoden wie Lego. Klingt ungewöhnlich – funktioniert aber genau deshalb so gut. Du kommst raus aus dem Denken und rein ins Erleben.

In diesen Momenten entstehen oft die entscheidenden Aha-Erkenntnisse. Nicht, weil du etwas Neues lernst, sondern weil du Zugang zu dem bekommst, was längst da ist. Du beginnst zu spüren, wie du dich ausdrücken willst. Welche Worte wirklich zu dir passen. Und was du getrost weglassen kannst.

Dieser Prozess hat viel mit dem zu tun, was auch im Business sichtbar wird. Du kannst alle Strategien kennen – und trotzdem klingt dein Marketing nicht nach dir. Du kannst wissen, wie man „richtig“ spricht – und fühlst dich dabei komplett falsch. Der entscheidende Schritt liegt darin, dir zu erlauben, deinen eigenen Ausdruck zu finden.

Genau hier entsteht Kreativität. Nicht durch neue Techniken, sondern durch das Loslassen von Bewertung. In dem Moment, in dem du aufhörst, alles richtig machen zu wollen, entsteht Raum. Raum für deinen eigenen Klang, deinen eigenen Stil, deine eigene Art zu sprechen.

Ein einfacher Zugang dazu ist Neugier. Dich selbst wieder entdecken wollen. Neue Wege ausprobieren, ohne sofort zu wissen, wohin sie führen. Dich aus gewohnten Mustern lösen und erleben, was passiert.

Denn am Ende geht es nicht darum, perfekt zu sprechen. Es geht darum, dich in deiner Sprache zu erkennen.

Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem aus einer Fremdsprache deine „Friendsprache“ wird.

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