Kreativität: So viel mehr als bunte Bilder

Im letzten Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie ich selbst wieder zum Thema Kreativität gefunden hatte. Und welche Rolle Schreiben, Zeichen, Gestalten für mich spielt. Aber welche Rolle spielt es in meinem Business?

Die zwei Aspekte der Kreativität

Wenn wir von Kreativität sprechen, sind es im Grundsatz zwei Aspekte, die damit gemeint sind. Zum einen ist es die künstlerisch-ästhetische Komponente. Eine zweckfreie Gestaltung von schönen Dingen. Für den Kunstschaffenden häufig auch mit Entspannung, Flow und Ruhe verbunden. Ob das Ergebnis „nutzbar“ ist, das liegt im Auge des Betrachters 😊 Ich persönlich mag mir meine Kunstwerke auch aufhängen. Aber das ist gar nicht so sehr der Kern, es geht vielmehr um den Gestaltungsprozess als das Ergebnis. Selbst wenn wir das fertige Bild oder den Text später zur Ablage P bringen, ist das Gestalten selbst wertvoll gewesen.
Der zweite Aspekt ist die „angewandte Kreativität“, die uns auch im Business helfen kann. Die Fähigkeit zur Problemlösung. Die Fähigkeit, Outside-the-box zu denken. Neue Gedankengänge zu denken, neue Denkpfade zu betreten. Dinge mit einander zu kombinieren, die es so noch nicht gab. Neues zu schaffen. Besonders relevant für das Thema Innovationen, aber eben auch für jede Herausforderung, denen wir uns im (Business-)Alltag stellen wollen: Finden wir einen Weg, wie wir die Herausforderung lösen?

Diese Fähigkeit haben wir alle – sonst hätte uns die Evolution schon längst aufgefressen. Wir haben über die Jahrtausende gelernt, Werkzeuge zu entwickeln, neue Gebiete zu erobern, uns an neue Begebenheiten anzupassen. Und haben dabei viele Male Dinge zum ersten Mal gemacht, die vorher undenkbar gewesen sind. Die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, etwas zu gestalten, haben wir alle. Aber wir verlernen das leider, wenn wir es nicht trainieren. Wenn wir nicht üben, uns kritisch mit Themen auseinanderzusetzen und häufiger die Frage stellen „Wie könnte das noch/anders gehen?“, geht unsere Gestaltungskraft verloren.

Das Gute aber: Wir können unsere Kreativität trainieren wie ein Muskel.

Kreativität im Business

Für die Kreativitätsförderung gibt es bewährte Methoden, wie man das auch im Arbeitsalltag einsetzen kann, um direkt zu Ergebnissen zu kommen. Wir alle haben vermutlich schon Brainstorming-Methoden in Meetings erlebt. Wir haben mal mit Design Thinking experimentiert oder eine andere Kreativitätstechnik eingesetzt, um zügig Ideen zu produzieren. Funktioniert gut.

Für mich geht das aber noch ein Stück weiter. Denn gerade für uns Solopreneure halte ich Kreativität für einen ganz zentralen Zukunftsskill. Denn wir können Kreativität an unterschiedlichen Stellen nutzen, um uns mental und auch in der Business-Strategie zu stärken.

1) Selbstregulation führt zu Stressminderung
Ich erlebe es selbst, aber immer wieder auch mit meinen Mentees: Durch kreativ-künstlerische Aktivitäten komme ich in einen Flow-Zustand. Meine Atmung wird ruhiger. Der Körper entspannt sich. Das Gedankenkarussell kommt ein wenig zur Ruhe. Gerade in besonders stressigen Phasen – und die haben wir alle – ist das für mich eine wichtige Ressource, mein Nervensystem wieder beruhigen. Und nur wenn wir reguliert sind, können wir uns auch unseren inneren Themen widmen. Wenn mein Körper noch im Flucht-, Kampf- oder Verharrenszustand (Schockstarre) verhaftet ist, wird sich nichts ändern. Somit kann uns kreative Betätigung bei der Stressregulation helfen. Akut, also als Notfallhelfer einsetzbar, aber auch präventiv, zur langfristigen Stressbewältigung. Regelmäßig angewandt ist das ein wichtiger Faktor auch für den Resilienzaufbau und deshalb auch besonders wertvoll für die Selbständigkeit. Und dabei spielt es auch praktisch keine Rolle, welche Aktivität ich dabei wähle – da ist die persönliche Präferenz die beste Auswahlhilfe, ob ich lieber schreiben, zeichnen oder vielleicht mit Ton arbeiten will.
Und – Disclaimer: Natürlich ist kreative Betätigung nicht die einzige Methode zum Stressmanagement, aber eine sehr wirksame

2) Gestaltenskraft führt zu Selbstwirksamkeit
Gerade wenn ich Flow erlebe, kann ich auch in tiefere Bewusstseinsebenen vordringen. Mein Credo bei diesem Prozess: „Raus aus dem Kopf, rein in die Intuition“. Sind wir reguliert, können wir auch unsere tieferen Themen anschauen.
Oft spüren wir im Alltag Blockaden. Hemmnisse in unserem Denken oder in unseren Verhaltensmustern. Etwas, das uns davon abhält, wie sagt man immer so schön: unsere PS auch auf die Strasse zu bringen. Vielleicht ist es ein Perfektionismus, der uns bremst. Kontrollzwänge, Verlustängste, das Imposter-Syndrom, das uns nicht so recht vorankommen lässt. Und vielleicht haben wir kognitiv auch bereits verstanden, wo es herkommt. Aber auf dieser Ebene können wir die Herausforderung nicht lösen, die mit tiefsitzenden Emotionen verbunden sind. Erst wenn wir ins Unterbewusste eintauchen, können wir neue Muster anlegen, neue, für uns wertvollere Glaubenssätze implementieren. Auch hierzu gibt es wieder verschiedene Methoden, von der Hypnose, Dankbarkeitstagebücher und Affirmationen, Meditationen – all das ist hilfreich und sinnvoll. Einer dieser Wege ist wieder die Kreativität. Durch Übungen wie Freewriting oder Neurographik können wir unser Unterbewusstsein anzapfen und neue Überzeugungen einbringen wie auch tiefverborgene Stärken und Wünsche aktivieren, was gerade auch beim Thema Positionierung relevant ist. So kommen wir gut zu unserem Kern und der Frage des Why – was will ich denn wirklich?
Für mich hat es auch noch einen zweiten Aspekt, ein Wert bzw. ein Zustand, der mir selbst sehr wichtig ist: Selbstwirksamkeit. Wenn ich erfahre und lerne, dass ich etwas gestalten kann, einen Text, ein Bild, ein Objekt, dann kann ich auch erleben, dass ich in meiner Kraft bin. Dass meine Handlungen Wirkung zeigen. Dass ich Verantwortung für mein Business übernehmen kann. Diese Erfahrung aus dem künstlerischen Gestaltungsprozess ist übertragbar: Ich kann etwas erschaffen. Wer das erlebt, kann auch leichter Entscheidungen treffen, Gespräche führen, Grenzen setzen. Ich werde weniger abhängig von äußeren Umständen oder Bestätigungen – ich habe es selbst in der Hand. Selbstwirksamkeit entsteht durch Erfahrung.

3) Selbstwirksamkeit führt zu Umsetzungspower
Diese Selbstwirksamkeit führt dann auch dazu, dass ich meine Wünsche, meine Ziele auch umsetzen möchte. Ich warte nicht länger auf die Erlaubnis von außen. Ich darf es selbst gestalten. Meinen Weg, meine Energie, meine Zeit. Und da schließt sich dann wieder der Bogen zur Business-Strategie. Denn die beste Strategie nutzt uns nichts, wenn man sie nicht umsetzen. Wenn innere Blockaden uns daran hindern oder man selbst nicht aktiv wird. Nur auf dem Papier wird noch kein funktionierendes Business draus. Kreativität hilft uns dabei, Mut zu entwickeln, Dinge auszuprobieren. Auch das ist nämlich ein wichtiger Aspekt im Gestaltungsprozess: Fehler zu machen. Meine ersten Versuche, ein Bild zu malen, einen Text zu schreiben oder einen Skulptur zu erstellen, werden gruselig aussehen 😊 Und das ist völlig okay, denn wir lernen ja noch. Wir wissen noch nicht, wie wir das Bild aus unserem Kopf auch materialisieren können. Deshalb probieren wir aus. Experimentieren, fluchen laut, wenn es nicht klappt, treten etwas in die Tonne – und setzen neu an. Solange, bis es klappt. Auch diese Erfahrung können wir auf unsere Selbständigkeit übertragen: Es ist nicht nur erlaubt, Fehler zu machen, sondern sogar notwendig. Nur dann lernen wir, was funktioniert und was nicht. Dieses Bewusstsein bringt uns sehr viel leichter auch wirklich ins Tun.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es (Erich Kästner).

Deshalb nutze ich gerne kreative Techniken in meinem Mentoring: zur Regulation des Nervensystems, zum Lösen innerer Blockaden und Gestalten des Businesses und um kreative Lösungsansätze für unsere Selbständigkeit zu entwickeln – für eine Strategie, die zu uns passt und die wir gerne auch umsetzen mögen.

Was bedeutet Kreativität