Hygge, lagom und omtanke - was wir von skandinavischer Kultur lernen können

Es ist ein Phänomen, dass die skandinavischen Länder immer wieder bei Umfragen zum Lebensgefühl auf den vorderen Plätzen rangieren. Schweden, Dänen und Co. sehen sich selbst als glückliche Menschen an. Und das in Ländern mit hohen Steuern, Alkoholrestriktionen und langen, dunklen Wintern. Woran mag das liegen?

Es ist kein Geheimnis, dass ich „schwedophil“ bin – okay das Wort gibt es nicht, aber ich bin ganz vernarrt in Schweden, seine Kultur, sein Essen und ja, auch die kalten Winter. Besonders mag ich aber auch die Menschen. Nun mag man denken, dass Schweden sich nicht so sehr vom Festland-Europäer unterscheidet. Aber in einigen grundlegenden Punkte eben schon.

Gerade für jemand Introvertierten wie mich fühlt sich die Zurückhaltung der Schweden sehr angenehm an. Man unterhält sich, grüßt sich freundlich auf der Straße, aber nervigen Smalltalk mit einem Schweden im Treppenhaus wird man eher selten antreffen. „Der Schwede“ will nicht stören und sich nicht in den Mittelpunkt stellen.

Das hängt eng mit einem sehr wichtigen schwedischen Grundprinzip zusammen: omtanke. Man kann es kaum ins Deutsche übersetzen, aber es bedeutet etwa soviel wie „Umsicht“. Schweden verhalten sich nicht nur nach dem Kant’schen Imperativ (handle so, wie du selbst behandelt werden willst), sondern sie sehen es als ihre Verantwortung an, dass sich alle in ihrer Nähe wohl fühlen. Das zeigt sich bei privaten Feiern, wo man Rücksicht auf deine Ernährungsgewohnheiten nehmen wird. Das zeigt sich aber auch in geschäftlichen Meetings, wo jeder Gehör findet und man nicht mühsam um seinen Redeanteil ringen muss. Auch ein Plus für Intros! Deshalb: will man selbst beruflich Fuß in Schweden fassen, so sollte man selbst auch das omtanke-Prinzip berücksichtigen: Sich nicht selbst in den Vordergrund zu rücken, andere zu Wort kommen lassen, den Teamerfolg, das Gemeinsame zelebrieren, für eine angenehmen Gesprächsatmosphäre sorgen, mit Getränken, Pausen und ohne den anderen zu hetzen oder zu überrumpeln.

 

Klingt das nicht nach einem angenehmen Prinzip?