Kreativität? Ja, ich will!

2026 wird bunt. Das habe ich mir zumindest für mein (Business-)Leben vorgenommen – es darf deutlich mehr Kreativität einziehen.
Aber warum mach ich das? Warum ist mir Kreativität so wichtig? Und warum glaube ich, dass auch du davon sehr viel mitnehmen kannst?

Was bedeutet Kreativität für mich?

Für mich bedeutet Kreativität aktuell auch wieder sehr stark künstlerische Techniken: Malen, Zeichnen, Skulpturen gestalten, Schreiben. Das habe ich früher schon gerne gemacht, weil es mich immer sehr entspannt hat. Es war mir ein Ruhepol. Eine Tätigkeit, bei der meine Gedanken zur Ruhe kamen. In denen ich über mich und die Welt nachgedacht habe. Und auch Momente, in denen ich meine Gedanken, Erinnerungen und Träume einfach fließen lassen konnte. Aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Weil ich kein besonderes Talent habe. Weil die Ergebnisse nicht besonders gut aussahen. Weil das zu nichts bringt.

Einige Jahre später durfte ich einsehen, dass es sehr wohl etwas bringt.

Spulen wir vor zum November 2023. Ich hatte bei der Volkshochschule einen Krimi-Workshop bei einer bekannten Autorin gebucht. Samstag, sechs Stunden kompakt, sollten wir ein paar Dinge über das Schreiben von Kriminalgeschichten lernen. Am Morgen war es kalt und ungemütlich. Ich hatte nicht wirklich Lust – hej, ich will doch auch keine Krimi-Autorin werden, was soll das denn bringen? Warum zur Hölle habe ich diesen Kurs gebucht? Lust und Vorfreude sieht anders aus.

Tapfer raffte ich mich auf und lief zur alten Schule, dem Veranstaltungsort. Im Seminarraum warteten noch 5 weitere Hobbyautoren auf mich, Zettel und Stift gezückt, und gemeinsam lauschten wir gebannt dem Intro der Seminarleiterin. Ein wenig Theorie übers Plotten, wie man Namen von Schurken und Helden gestalten kann, wie man eine Szenerie wählt und beschreibt. Und dann gings ans Eingemachte. Freewriting zum Einstieg. Susanne breitete eine Reihe von Postkarten und Fotos mit Szenerien vor uns aus und forderte uns auf, eine davon zu wählen und die nächsten 15 Minuten darüber zu schreiben.

Und Tanja sitzt vor ihrem Schreibblock. Klickt nervös auf ihrem Kugelschreiber herum. Die Spitze verharrt kurz über der Oberfläche meines Collegeblocks. Ich schaue das Foto an. Eine Scheune, ein großes Tor mit schiefen Balken. Davor etwas windschief ein Riegel angebracht, der die langen Balken kaum im Zaum halten kann. Und es ploppen Bilder in meinem Kopf auf. Was sich dort abgespielt hat. Warum das Tor verschlossen ist, auch wenn das Gebäude fast zusammenzufallen scheint. Wer dort gewesen ist. Was sie gemacht haben. Welche Geheimnisse sie haben.

Nichts davon kommt aus meiner Feder aufs Papier. Mir wird heiß. Ich habe einen hochroten Kopf und mir steigen die Tränen auf. „ich darf das nicht“, denke ich. Denn mir ist glasklar: Wenn ich jetzt anfange zu schreiben, dann höre ich nicht mehr auf. Dann verbringe ich meine ganze Zeit mit dem Schreiben. Dann vernachlässige ich meine Projekte. Dann will ich diese Geschichte zu Ende erzählen. Deshalb darf ich nicht schreiben. Weil das Ergebnis auch nicht gut sein wird. Das wird niemand lesen wollen. Es ist nutzlos. Wertlos. Sinnlos.

Eine Träne tropft auf das Papier. Um mich herum höre ich fleißiges Kratzen der Kugelschreiber auf dem Papier. Links von mir hat ein besonders eifriger Schreiber gar sein Laptop mitgebracht. Fröhliches Tippen und gelegentliche Seufzer der Schreibenden erreichen mein Ohr. Noch immer halte ich schwitzend meinen Kugelschreiber reglos in der Hand. Nein, nicht schreiben. Ich darf nicht anfangen. Ich kann nicht schreiben. Ich werde zornig. Und bin frustriert. Warum hab ich mir das angetan? Warum hab ich diesen Kurs gebucht? Was hat mich dabei geritten, als ich mich angemeldet hatte? Was soll ich hier? Ich darf doch gar nicht schreiben. Ich kann doch gar nicht schreiben. Ich sollte besser wieder gehen.

Ich schließe die Augen. Die Bilder werden intensiver. Die Geschichte vermischt sich mit einer Storyline, die ich vor vielen Jahren schon mal im Sinn hatte. Eine Erzählung, die mit den historischen Begebenheiten meiner Doktorarbeit zu tun hat. Eine Geschichte von zwei jungen Menschen direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Welt in Trümmern liegt und sich die neue Normalität erst noch bildet. Als die Angst vor Krieg und Verfolgung durch eine Furcht vor den Besatzungssoldaten ersetzt wurde. Als der Kampf ums Überleben noch sehr allgegenwärtig ist. Die Geschichte von Max und Tilda. Und welche Rolle diese Scheune darin spielt.

Die Bilder in meinem Kopf werden immer farbiger, plastischer. Die Straße, in der die Scheue steht. Ich spüre die Abendsonne der Szene auf meinem Gesicht. Fühle mit Tilda, die gerade den Hügel zu dieser Scheune gelaufen ist. Ihr ist warm an diesem Sommertag und sie ist schnell gelaufen. Ich spüre ihre Aufregung, ihre Neugier, als sie das Scheunentor entdeckt und sich fragt, warum an der alten Scheune ein brandneues Schloss hängt. Ich sehe Max schelmische Augen, der seine Tilly anschaut und mit ihr schäkert.

Langsam öffne ich meine Augen und atme tief durch. Doch. Ich setze den Stift aufs Papier und schreibe. Beschreibe die ganze Szene aus meinem Kopf. Kein Krimi. Sondern die Geschichte von Max und Tilda. In den verbleibenden Minuten unserer Freewriting-Übung platzt der Knoten und ich schreibe Seite und Seite meines Collegeblocks voll.

Und mir wird klar: Es geht nicht darum, ob ich schreiben kann. Es geht darum, dass ich schreiben will. Dass ich das brauche, um Ruhe in meinen Kopf zu bekommen. Um ein Outlet zu haben für alle Ideen und Gedanken in meinem Kopf. Das schafft Raum für neue Gedanken und neue Ideen. Es räumt auf und ich kann noch mehr gestalten.

Diese Form von Kreativität nehme ich persönlich mit in meinen neuen Alltag. Schreibend, aber auch durchs Zeichnen, Malen, „Basteln“. Ideen dürfen aus meinem Kopf raus und Freiräume schaffen. Und es ist gleichzeitig „me-time“. Eine kreative Auszeit, in der ich den Flow genießen darf und nur für mich bin. Das darf definitiv Teil meiner neuen Routine bleiben😊

Und eigentlich wollte ich in diesem Artikel auch darüber schreiben, welche Rolle Kreativität für mich in der Arbeit mit meinen Mentees bedeutet. Aber nun ist dieser Artikel schon so lange geworden – das hebe ich mir dann für die nächste Ausgabe auf 😊