6 Anzeichen dafür, dass du introvertiert bist

Introvertierte brauchen ihren RückzugsortWoran kann ich merken, dass ich introvertiert bin? Oder auch, ob mein Gegenüber introvertiert ist? Gar nicht so einfach von außen erkennbar, denn die Grenzen sind fließend. Und es kann sich je nach Situation oder auch Tagesform ganz unterschiedlich zeigen. Zum einen muss man wissen: Introversion und Extroversion sind zwei Enden einer Persönlichkeitsausprägung. Dabei findet sich der Einzelne selten an einem der Extrempole wieder: wir alle bewegen uns auf unterschiedlichen Stellen in dieser Skala. Nicht selten kann das sogar abhängig von der Umgebung, der Situation oder der aktuellen Verfassung schwanken: So gibt es Menschen, die in Kundenprojekten voll aufdrehen können und mit ihrer lebhaften Art völlig extrovertiert wirken. Dann sind sie ganz in ihrem Element, fühlen sich wohl und können aus sich herausgehen. Zuhause angekommen zeigt sich die introvertierte Seite und sie bevorzugen das ruhige, reizarme Abend- und Wochenendprogramm, um die Energiereserven wieder aufzuladen.

Energie von innen oder von außen?

Die Energiequelle ist das wesentliche Erkennungsmerkmal, auf welcher Seite des Persönlichkeitsspektrums du dich befindest. Introvertierte Menschen ziehen ihre Energie aus ihrem Innenleben. Sie sind gerne mit ihren Gedanken alleine, brauchen viel Ruhe. Das Zusammensein mit Menschen inspiriert, aber es erschöpft sie, auch dann, wenn sie sich in einer für sie angenehmen Umgebung befinden. Dann müssen die Akkus wieder in Stille und in Einsamkeit aufgetankt werden. In einem ruhigen Raum oder in der Natur, aber am liebsten allein und ohne Gespräche. Extrovertierte hingegen brauchen die Stimulation durch das Zusammensein mit anderen Menschen. Den Austausch, das Erlebnis, die Geschwindigkeit. Alleinsein und Stille macht sie eher unruhig und sie sehnen sich nach einer umtriebigen Umgebung. Der Corona-Lockdown hat die Unterschiede zwischen diesen beiden Personengruppen sehr deutlich gemacht: Während die „Extros“ kaum abwarten konnten, dass das gesellschaftliche Leben mit Treffen, Restaurantbesuchen, Aufregungen wieder beginnen konnte, waren die „Intros“ gar nicht so unglücklich, sich keine Ausreden mehr einfallen lassen zu müssen, wenn sie eine Abendveranstaltung nicht wahrnehmen wollen. Alleine mit ihren Gedanken, Büchern und Gesprächen im engeren Familienkreis – das fühlte sich gar nicht so schlecht an.

Woran kannst du erkennen, ob du introvertiert bist?

Wie gesagt, die Grenzen sind fließend. Viele Menschen tragen Merkmale beider Seiten in sich, die unterschiedlich stark ans Tageslicht treten. Diese sechs Faktoren können dir aber einen Anhaltspunkt geben, ob du auch ein „leiser Mensch“ bist.

Trifft das auf dich zu?

  1. Du magst Menschen – aber du brauchst auch deine Rückzugsmöglichkeiten, um wieder Energie zu tanken.
  2. Du kannst gut alleine sein – langweilig ist dir selten, da dein Kopf vor Ideen und Gedanken förmlich übersprudelt.
  3. Du denkst gerne strukturiert über Themen nach. Reden ohne nachzudenken ist nicht deine Spezialität.
  4. Überhaupt drückst du dich lieber schriftlich aus. Da kannst du in aller Ruhe die passenden Argumente bereitlegen und findest die richtigen Worte. Deshalb hast du dein Telefon auch oft stummgeschaltet.
  5. In Menschengruppen fühlst du dich oft nicht wohl. Zu laut, zu hektisch, zu vieles, das dich ablenkt. Meetings sind deshalb nicht deine Spezialität, vor allem, wenn du spontan nach deiner Meinung gefragt wirst.
  6. Oberflächlicher Small Talk ist deine Sache nicht. Deshalb fühlst du dich bei Networking-Events nur wohl, wenn du mit einzelnen Personen in tiefe Gespräche einsteigen kannst.

Diese Aufzählung an introvertierten Eigenschaften ist bei weitem nicht vollständig. Und nicht immer müssen alle Merkmale auf dich zutreffen. Introversion – Extraversion ist ein Spektrum. Die meisten Menschen zeigen sowohl introvertierte wie auch extrovertierte Eigenschaften.

Halten beide Merkmale sich die Waage, spricht man übrigens von „zentrovertiert“ oder „ambivertiert“. Dann hat man das beste aus beiden Welten.

Und jetzt?

Introversion ist kein negatives Persönlichkeitsmerkmal, auch wenn das oft so wahrgenommen wird. Introvertierte gelten schnell als schüchtern, menschenscheu, arrogant und vieles mehr. Das liegt daran, dass wir oft nicht so schnell antworten, weil wir unsere Gedanken lieber in Ruhe zu Ende denken wollen bis wir uns äußern. Daran, dass wir uns nach einer Weile zurückziehen müssen, um unsere Kraftreserven aufzutanken. Daran, dass wir besser ablenkungsfrei, in einem separaten Büro oder mit Kopfhören auf den Ohren, arbeiten können, statt in einem hektischen Großraumbüro. Wichtig ist mir immer das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen Bedürfnisse von Introvertierten und Extrovertierten. Das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere. Dass wir so unterschiedlich sind, liegt tief in unsere Geschichte verwurzelt: Schon in der frühen Menschheitsgeschichte war es notwendig, dass es Menschen gab, die Risiken eingegangen sind, die auf die gefährliche Jagd gehen konnten, die sich auf Angreifer stürzten. Aber auch dass es Menschen gab, die zur Vorsicht mahnten, die die Gefahren abwägte, die Vorräte planten und den Überblick behielten. Beides war überlebensnotwendig – und ist es meiner Meinung nach auch heute noch. In der Kombination sind wir unschlagbar, gerade auch in Teams oder in einer Partnerschaft. Hilfreich ist aber das Wissen, um diese Persönlichkeitsausprägung – deines Gegenübers, aber auch von dir selbst. Dann kann man sich und dem Partner/Teamkollegen die Bedürfnisse auch zugestehen und das Zusammenleben und Zusammenarbeiten gelingt.

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